Schnee- und Windlast überschlagen
Rechnet Schneelast nach EN 1991-1-3 und Windsog nach EN 1991-1-4, jeweils bis zur Kraft je Befestigungspunkt und zur erforderlichen Ballastmasse. Entscheidend: Mit Modulen auf dem Dach gilt der Formbeiwert 0,8 unabhängig von der Neigung — generische Rechner unterschätzen die Last dadurch um bis zu 20 %.
- Der Formbeiwert beträgt 0,8 statt 0,667, unabhängig von der Dachneigung: Solarmodule verhindern das Abrutschen des Schnees. Genau daran rechnen generische Schneelastrechner vorbei — und unterschätzen die Last.
SNOW_LOAD_MODULE_RULE
Die Formeln hinter dem Rechner
Jede Zahl oben ist nachrechenbar: der vollständige Rechenweg, alle Annahmen und die Datenquelle mit Abrufdatum — dazu die Kreuzvalidierung gegen unabhängige Referenzen. Offengelegt statt behauptet.
Schätzung auf Basis der genannten Annahmen. Die finale Auslegung muss von einer qualifizierten Fachkraft nach den vor Ort geltenden Vorschriften geprüft werden.
Datenstand: 2026-07-15
| Schritt | Formel | Wert | Herkunft |
|---|---|---|---|
| Formbeiwert | mu_1 = 0.8 | 0,8 | exakt |
| Schneelast | mu_1 * C_e * C_t * s_k | 0,88 kN/m^2 | exakt |
| Schneekraft je Modul | s * A_module * cos alpha * 1000 | 1.440,3 N | exakt |
| Nettowinddruck | q_p * (c_pe - c_pi) | -910 N/m^2 | exakt |
| Sogkraft je Modul | |w| * A_module | 1.818,3 N | exakt |
| Erforderlicher Ballast | (1.5 * F_uplift - 0.9 * m_module * g) / g | 255,52 kg | exakt |
- Formel
w- Gültigkeitsbereich
- Grobcheck zur Größenordnung nach EN 1991-1-3 (Schnee) und EN 1991-1-4 (Wind), rechteckige Modulfläche, zwei Tragprinzipien: verschraubt dachparallel und aufgeständert ballastiert. Lastzonen, Böengeschwindigkeitsdruck und Druckbeiwerte sind Nutzereingabe aus dem nationalen Anhang.
- Nicht abgedeckt
- Verwehungszuschläge, unsymmetrische Lastfälle, der außergewöhnliche Lastfall im Norddeutschen Tiefland, Rand- und Eckbereiche mit deutlich höheren Druckbeiwerten und die Tragfähigkeit der vorhandenen Sparren. Insbesondere: die eigene, unsymmetrische Schneelastanordnung mit Verwehung hinter jeder Modulreihe, die EN 1991-1-3:2025 für aufgeständerte PV auf flachen Dächern einführt. Die Standsicherheit ist ein Nachweis, den eine Tragwerksplanerin führen muss.
- Datenquellen
- Amtliche Veröffentlichungen der Normungsgremien und Landesbehörden (NFPA, IEC, DKE/VDE, CEN) · abgerufen 2026-07-15
Häufige Fragen
Wie berechne ich die Schneelast auf einem Dach mit Solarmodulen?
Nach EN 1991-1-3 gilt s = μ₁ · C_e · C_t · s_k. Der entscheidende Punkt: Sobald Module auf dem Dach liegen, gilt der Formbeiwert μ₁ = 0,8 unabhängig von der Dachneigung, weil die Module das Abrutschen des Schnees verhindern. Generische Schneelastrechner nutzen den neigungsabhängigen Abfall und unterschätzen die Last dadurch um bis zu 20 % — im Referenzfall bei 35 Grad 0,733 statt korrekt 0,880 kN/m².
Wie viel Ballast brauche ich gegen Windsog bei aufgeständerter Montage?
Der Windsog ist w = q_p · (c_pe − c_pi) nach EN 1991-1-4, die Kraft je Modul F = |w| · A. Die erforderliche Ballastmasse folgt mit den Teilsicherheitsbeiwerten aus m = (1,5 · F_Sog − 0,9 · m_Modul · g) / g. Böengeschwindigkeitsdruck und Druckbeiwerte sind Eingaben aus dem nationalen Anhang — es gibt bewusst keine Postleitzahlenabfrage, weil diese Daten nicht digitalisiert werden.
Ersetzt der Rechner den Standsicherheitsnachweis für mein Dach?
Nein — dies ist ein Grobcheck zur Größenordnung, KEIN Standsicherheitsnachweis. Verwehungszuschläge, unsymmetrische Lastfälle, der außergewöhnliche Lastfall im Norddeutschen Tiefland, Rand- und Eckbereiche mit deutlich höheren Druckbeiwerten und die Tragfähigkeit der vorhandenen Sparren sind nicht abgebildet. Die Standsicherheit von Dachtragwerk, Befestigung und Unterkonstruktion muss eine Tragwerksplanerin nachweisen.
Warum unterschätzen generische Schneelastrechner ein PV-Dach um bis zu 20 Prozent?
Der neigungsabhängige Abfall des Formbeiwerts μ₁ oberhalb 30° beruht darauf, dass Schnee vom glatten Dach abrutschen kann. Solarmodule, Schneefänge und Aufkantungen verhindern genau das — die Norm setzt dann μ₁ = 0,8 unabhängig von der Neigung an. Im Referenzfall (s_k = 1,10 kN/m², 35° Neigung) rechnet der generische Weg 0,733 kN/m², korrekt sind 0,880 kN/m²: 20 % mehr Last, 1.440 N je Modul, 360 N je Befestigungspunkt. Dieser Unterschied ist der Abstand zwischen „hält“ und „hält nicht“.
Warum muss ich die Bodenschneelast selbst eingeben statt meine PLZ?
Die Formel und der Formbeiwertverlauf stehen als Rechenregel in der Norm und sind hier implementiert. Die Lastzonenkarte mit den zonenweisen s_k-Werten und Höhenformeln ist dagegen Inhalt des urheberrechtlich geschützten nationalen Anhangs — sie wird hier bewusst weder digitalisiert noch als PLZ-Abfrage angeboten. Den Wert für deinen Standort nennt die amtliche Quelle oder die Bauaufsicht; typische Werte in Deutschland liegen zwischen 0,65 und weit über 3 kN/m² im Alpenraum und Bergland.
Woher kommen Böengeschwindigkeitsdruck und Druckbeiwert — und wie unsicher sind sie?
Beide stammen aus dem nationalen Anhang der Windlastnorm und hängen von Windzone, Geländekategorie und Gebäudehöhe ab. Die Vorbelegung (650 N/m², c_pe = −1,4) ist eine Annahme für Binnenland und den Flachdach-Innenbereich — Rand- und Eckbereiche eines Dachs erreichen deutlich höhere Sogbeiwerte, teils über −2,5. Deshalb sind beide Werte als sichtbare Annahmen mit Bandbreite markiert, und deshalb ersetzt der Grobcheck keine Ballastierungsplanung des Systemherstellers.
Hält mein Dach eine Solaranlage aus?
Das Eigengewicht ist selten das Problem: Ein verschraubtes Standardmodul wiegt 25 kg auf 2,0 m², also rund 12,5 kg/m² — für 24 Module sind das 600 kg zusätzliche Dachlast. Kritisch wird es erst mit Schnee: Im Referenzfall (s_k = 1,10 kN/m², 35° Dachneigung) kommen 0,880 kN/m² dazu, also etwa 90 kg/m² — das Siebenfache des Anlagengewichts. Entscheidend ist deshalb nicht die Anlage, sondern die Dachlastreserve deines Gebäudes: Sie steht im Standsicherheitsnachweis der Bauunterlagen. Dieser Rechner liefert die Größenordnung, den Nachweis führt eine Tragwerksplanerin.
Was ist der Unterschied zwischen verschraubter und ballastierter Montage?
Das Tragprinzip — und damit die Antwort auf denselben Windsog. Im Referenzfall zieht der Wind mit 1.818 N je Modul. Verschraubt läuft diese Kraft über Klemme, Schiene und Dachhaken in den Sparren: 455 N je Befestigungspunkt, die der Haken aufnehmen muss. Ballastiert hält allein die Masse: dann wären 255 kg je Modul nötig, bei 24 Modulen über sechs Tonnen zusätzliche Dachlast statt 600 kg. Genau deshalb wird auf Schrägdächern verschraubt und auf Flachdächern die Ballastierung zum teuersten Einzelposten der Montage.
Halten die Module selbst die Schneelast aus?
Meist ja — das Modul ist selten das schwächste Glied. Hersteller geben die Prüflast nach IEC 61215 an; übliche Klassen sind 2.400 Pa als Mindeststandard und 5.400 Pa für schneereiche Lagen. Der Referenzfall dieses Rechners liegt bei 880 Pa, also deutlich darunter. Die Grenze liegt praktisch immer früher: bei der Auszugskraft des Dachhakens, beim Sparrenquerschnitt oder bei der Dachlastreserve des Gebäudes. Prüfe deshalb die Kraft je Befestigungspunkt gegen die Herstellerangabe deines Montagesystems, nicht die Modulprüflast.
Was ändert EN 1991-1-3:2025 für Photovoltaik auf Flachdächern?
Die 2025er Ausgabe der Schneelastnorm führt erstmals eigene Regelungen für aufgeständerte PV-Reihen auf flachen Dächern ein: eine unsymmetrische Lastanordnung mit Verwehung hinter jeder Modulreihe, weil der Wind Schnee vor den Reihen abträgt und dahinter anhäuft. Die maßgebende Last kann dadurch deutlich über dem gleichmäßig verteilten Wert liegen, den dieser Grobcheck rechnet. Wir rechnen die neue Anordnung bewusst NICHT nach — die uns zugänglichen Sekundärquellen widersprechen sich in den Details, und bei einer sicherheitsrelevanten Rechnung ist eine benannte Lücke besser als eine geratene Formel. Für Flachdachanlagen ist das ein weiterer Grund für den Nachweis durch eine Fachplanerin.
Wie viel wiegt eine Photovoltaikanlage pro Quadratmeter?
Das reine Modul mit 25 kg auf 1,134 × 1,762 m ergibt 12,5 kg/m². Mit Unterkonstruktion liegen dachparallele Anlagen typisch bei 15 bis 25 kg/m². Aufgeständerte, ballastierte Flachdachanlagen sprengen diesen Rahmen: Im Referenzfall dieses Rechners kommen 255 kg Ballast je Modul dazu — das sind über 140 kg/m² allein an Ballast. Deshalb ist der Druckbeiwert die wichtigste Eingabe des ganzen Rechners: Mit aerodynamischen Leitblechen (c_pe −0,7 statt −1,4) halbiert sich der Ballast auf 117 kg je Modul.