Netzanschluss oder Off-Grid? Kosten vergleichen
Vergleicht Netzanschluss und Inselanlage als Barwert über die Nutzungsdauer — mit der Break-even-Entfernung als Kernzahl. Neu: Die Defizittage der Inselanlage werden aus dem Stundenjahr deines Standorts gerechnet, nicht geschätzt. Für 10 kWp und 20 kWh Speicher bei Berlin sind das 63 Tage im Jahr, an denen die Last nicht vollständig gedeckt ist — gegenüber rund einer Viertelstunde Ausfall im deutschen Netz.
Die Formeln hinter dem Rechner
Jede Zahl oben ist nachrechenbar: der vollständige Rechenweg, alle Annahmen und die Datenquelle mit Abrufdatum — dazu die Kreuzvalidierung gegen unabhängige Referenzen. Offengelegt statt behauptet.
Schätzung auf Basis der genannten Annahmen. Die finale Auslegung muss von einer qualifizierten Fachkraft nach den vor Ort geltenden Vorschriften geprüft werden.
| Schritt | Formel | Wert | Herkunft |
|---|---|---|---|
| Anschlusskosten | K_grund + K_meter * Entfernung | 15.000 EUR | Annahme |
| Barwert Netzanschluss | K_Anschluss + Barwert(Grundgebuehr + Verbrauch) | 35.457 EUR | Annahme |
| Barwert Inselanlage | I_System + Barwert(Betrieb + Kraftstoff) + Batterieersatz | 39.251 EUR | Annahme |
| Break-even-Entfernung | (Barwert_offgrid - Netz_fix) / K_meter | 197,43 m | Annahme |
- Formel
Netz: K_Grund + K_Meter·d + Barwert(Grundgebühr + Verbrauch) · Insel: I + Barwert(Betrieb + Kraftstoff) + Batterieersatz alle N Jahre · Break-even: d* mit Netz(d*) = Insel- Gültigkeitsbereich
- Konstante Realpreise, Diskontierung über die Nutzungsdauer, Batterieersatz in festen Intervallen; Anschlusskosten als regionale Orientierungswerte mit Bandbreite (Anhang B8).
- Nicht abgedeckt
- Verbindliche Netzanschlusskosten (netzbetreiberabhängig, oft nicht öffentlich — vor der Entscheidung das konkrete Angebot des Netzbetreibers einholen), Strompreissteigerung, Förderungen, Restwerte, Genehmigungskosten der Trasse über fremde Grundstücke.
Häufige Fragen
Ab welcher Entfernung lohnt sich Off-Grid statt Netzanschluss?
Das ist genau die Break-even-Entfernung, die der Rechner ausgibt: die Trassenlänge, bei der der Barwert des Netzanschlusses (Grundkosten + Kosten je Meter + laufende Stromkosten über die Nutzungsdauer) den Barwert der Inselanlage erreicht. Im Beispiel (3.000 € Grundkosten, 80 €/m, 3.500 kWh/a, 25.000-€-Insel) liegt sie bei einigen hundert Metern — bei 150 m Trasse gewinnt noch klar das Netz. Die Zahl reagiert stark auf die Meterkosten: In felsigem Gelände oder über Fremdgrundstücke kippt es früher.
Woher kommen die Netzanschlusskosten im Rechner?
Es sind ausdrücklich Orientierungswerte mit Bandbreite (Anhang B8 der Spezifikation): Netzanschlusskosten sind netzbetreiberabhängig und oft nicht öffentlich — Grundkosten typisch 2.000–5.000 €, Trasse 50–150 €/m inklusive Tiefbau. Beide Felder sind deshalb als Annahme markiert und editierbar. Verbindlich ist ausschließlich das Angebot deines Netzbetreibers; der Rechner ersetzt die Anfrage nicht, er sagt dir, ob sie sich lohnt.
Warum vergleicht der Rechner Barwerte statt einfacher Summen?
Weil die Kostenprofile spiegelverkehrt sind: Beim Netzanschluss dominieren die laufenden Kosten (Strombezug über 20 Jahre), bei der Insel die einmalige Investition plus der Batterieersatz nach 10–15 Jahren. Ohne Diskontierung würden künftige Stromrechnungen genauso schwer wiegen wie heutige Investitionen — mit ihr zählt ein Euro in 15 Jahren angemessen weniger. Der Diskontsatz (Standard 3 %) ist als Annahme markiert und verschiebt den Vergleich spürbar.
Was bedeutet der Zuverlässigkeitsvergleich?
Er ist die zweite Währung neben dem Geld: Die Inselauslegung hat rechnerische Defizittage — Tage, an denen Solar plus Speicher den Bedarf nicht decken (im Beispiel 5, je nach Auslegung 0–15). Das deutsche Netz fällt dagegen im Mittel nur rund eine Viertelstunde pro Jahr aus (BNetzA-SAIDI). Ein Anschluss, der ein paar tausend Euro mehr kostet, aber praktisch nie ausfällt, ist eine andere Ware — der Rechner spricht das aus, statt nur Euros zu vergleichen.
Wie gehe ich mit dem Batterieersatz um?
Als planbare Zweitinvestition: Der Rechner setzt ihn in festen Intervallen an (Standard alle 12 Jahre, einstellbar 10–15) und diskontiert ihn auf heute — bei 20 Jahren Betrachtung fällt genau ein Ersatz an. Die Kosten dafür sinken real seit Jahren (Speicherpreise 2026: 250–450 €/kWh Gerät); wer das Intervall dank flacher Zyklen streckt, verschiebt den Barwert spürbar. Der Batterie-Lebenszykluskosten-Rechner liefert die Intervall-Zahl für deine Chemie und Zyklentiefe.
Für wen ist dieser Vergleich überhaupt relevant?
Für die Fälle am Rand des Netzes: Wochenendhäuser, Almhütten, Gartenanlagen, abgelegene Betriebsgebäude, Neubauten weit vom letzten Anschlusspunkt. Innerorts mit Anschluss vor der Tür gewinnt fast immer das Netz — die spannende Zone beginnt dort, wo dreistellige Trassenmeter und Tiefbau ins Spiel kommen. Und häufig ist die beste Antwort ein Hybrid: Netzanschluss plus PV für die laufenden Kosten — dafür übernimmt der Amortisations-Rechner.
Wie zuverlässig ist eine Inselanlage wirklich?
Deutlich unzuverlässiger, als Faustzahlen nahelegen. Für einen Haushalt mit 3.500 kWh Jahresverbrauch in der Region Berlin rechnet der Rechner: 5 kWp mit 10 kWh Speicher ergeben 146 Defizittage im Jahr, 10 kWp mit 20 kWh noch 63 Tage, und selbst 15 kWp mit 40 kWh kommen auf 32 Tage. Im schlechtesten Monat sind es 23 bis 30 Tage — also praktisch jeden Tag im Dezember. Zum Vergleich: Das deutsche Netz fällt im Mittel etwa eine Viertelstunde im Jahr aus.
Warum reicht auch eine große Inselanlage im Winter nicht?
Weil im Dezember in Mitteleuropa schlicht zu wenig Energie ankommt, um einen Haushalt über die Nacht zu bringen — und weil ein Speicher nur verschiebt, was tagsüber übrig bleibt. Wenn der Tagesertrag schon unter dem Tagesbedarf liegt, hilft mehr Speicher gar nicht mehr. Der Rechner zeigt das an den Defizittagen des schlechtesten Monats: Sie sinken mit größerer Anlage kaum, während die Jahressumme deutlich fällt.
Ab welcher Entfernung lohnt sich die Inselanlage?
Im Referenzfall ab etwa 197 Metern Trassenlänge — darunter ist der Netzanschluss über die Nutzungsdauer günstiger. Die Zahl hängt stark an den Grundkosten des Anschlusses und am Preis je Meter, beides sind örtlich sehr verschieden und im Rechner als Annahme mit Bandbreite ausgewiesen. Wichtig: Die Break-even-Entfernung vergleicht nur Geld. Die Defizittage stehen daneben, weil sie nicht in Euro aufgehen.
Kann ich die Defizittage mit einem Generator ausgleichen?
Ja, und genau deshalb führt der Rechner die Generator-Kraftstoffkosten als eigene Position. Ein Generator macht die Inselanlage betriebssicher, verschiebt die Rechnung aber: Er kostet Anschaffung, Wartung und Kraftstoff, und er läuft ausgerechnet an den kalten, dunklen Tagen, an denen man ihn am wenigsten warten will. Die 63 Defizittage im Referenzfall sind damit weniger ein Ausfallrisiko als ein Betriebskostenposten.
Was ist im Vergleich nicht enthalten?
Die Wertsteigerung des Grundstücks durch einen vorhandenen Netzanschluss, die Möglichkeit zur Einspeisung und Vergütung, spätere Lastzuwächse wie Wärmepumpe oder Wallbox, und die Genehmigungslage. Ebenfalls nicht abgebildet: Die Inselanlage muss auf den schlechtesten Monat ausgelegt werden und ist im Sommer dadurch massiv überdimensioniert — der Überschuss verpufft, weil es keinen Abnehmer gibt.